Evangelische Kirche

von: Thomas Ende

Die in Sandsteinmauerwerk errichtete Vaaker Kirche entstand in ihrer heutigen Erscheinungsform im 14. Jahrhundert, worauf verschiedene architektonische Gestaltungsmerkmale hinweisen. Allerdings dürfte der an das Kirchenschiff angrenzende quadratische Ostchor noch überwiegend dem späten 13. Jahrhundert angehören. Insbesondere durch den wuchtigen Westturm wird der wehrhafte Charakter des Gebäudes unterstrichen. 1967/68 wurde an das Kirchenschiff, das Turm und Chorraum miteinander verbindet, ein Erweiterungsbau angegliedert. Zu diesem Zweck ist die ohnehin schadhafte und bereits mehrfach sanierte Nordwand abgebrochen worden. Bereits 1591/93 hatte man diese Wand durch einen außen an das Mauerwerk angelehnten Stützpfeiler sichern müssen, der jedoch 1682 wegen eines Hochwasserschadens saniert werden mußte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kirchengebäude mehrfach durch feindliche Truppen heimgesucht und beschädigt. 1632 war die Kirchentür von den Papenheimschen aufgeschlagen worden. Am 24. Oktober 1637 wurde die Tür wiederum aufgebrochen – diesmal von den Götzischen. Um 1640 folgten weitere Einbrüche und Plünderungen. Auch unter den Folgen des Siebenjährigen Krieges hatte das Gebäude zu leiden. 1871 schlug ein Blitz in die Kirche ein und schädigte insbesondere das Mauerwerk des Turms, so dass in Erwägung gezogen wurde, das Kirchengebäude abzureißen, was aber verhindert werden konnte.

Eine gründliche Innenrenovierung fand 1922 unter Beteiligung des in Vaake ansässigen Kunstmalers Karl Lotze statt (geboren 1892 in Kreiensen), dessen Familie aus Vaake stammte. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich Karl Lotze in Vaake niedergelassen und außerhalb der Ortslage am Waldrand ein Lehmstampfhaus errichtet. Durch Vermittlung des örtlichen Pfarrers Karl Haupt erhielt er den Auftrag zur künstlerischen Neugestaltung der Vaaker Kirche. Die Kassetten der barocken hölzernen Kanzel bemalte er mit Szenen aus dem Leben Jesu und stellte in den Kappen des Chorgewölbes vier geflügelte Engel mit Spruchbändern dar. Über dem Triumphbogen, der Chor und Kirchenschiff verbindet, brachte er den monumentalen Schriftzug Ehre sei Gott in der Höhe an. Von den Ausmalungen Lotzes haben sich lediglich die Kanzelbilder erhalten.

Anlässlich der Vorarbeiten zur Kirchenrenovierung von 1937 wurden unter vielen Farbschichten mittelalterliche Wand- und Deckengemälde aus der Zeit um 1400 entdeckt und durch Kunstmaler Walter Schliephacke freigelegt.

Die in Secco-Technik ausgeführten Malereien hatten sich vor allem im Chorraum erhalten. Spuren mittelalterlicher Wandgemälde fanden sich aber auch im Kirchenschiff, insbesondere im Bereich der Südwand. Schliephacke sicherte den Malgrund und konservierte den vorge-fundenen Bestand, nahm aber auch Ergänzungen von Fehlstellen vor. Die Wiedereinweihung der Kirche erfolgte noch 1937 anläßlich des Reformationsfestes, wobei eine zugunsten der Kirchenrenovierung erhobene Kollekte 376 Mark erbrachte.

Im Chorraum sind die Wände vor allem mit Szenen aus der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi geschmückt - unter Einschluss von Auferstehung und Höllenfahrt. Das Chorgewölbe wird von der Krönung Mariens im Westen und der Darstellung des Jüngsten Gerichts im Osten beherrscht (Jesus Christus als Richter der Welt).

Chor und Kirchenschiff – dort lediglich durch wenige Fragmente dokumentiert – weisen auch zahlreiche Heiligenbilder auf, die nicht in direktem Zusammenhang mit den oben genannten Darstellungen stehen, so zum Beispiel der im Weserraum besonders verehrte heilige Vitus, die heilige Dorothea und der heilige Paulus, dessen Abbild gleich zweimal im Chorraum überliefert ist. Eine recht auffällige Darstellung des Paulus mit Schwert und Buch befindet sich an exponierter Stelle in der Nordkappe des Gewölbes. Auf die Bekehrung des Paulus deuten kaum noch wahrnehmbare Fragmente an der südlichen Chorwand hin. Beide Abbildungen legen die Vermutung nahe, dass die Vaaker Kirche ursprünglich dem heiligen Paulus geweiht war. Diese These wird auch durch die seit dem 16. Jahrhundert erhaltenen Kirchenrechnungen von Vaake und Veckerhagen untermauert. Dort sind Liegenschaften namens Sankt-Pauls-Rode verzeichnet.

Durch eingehende Untersuchungen und Vergleiche mit anderen Kirchenmalereien gelang es der Konservatorin Dr. Hanna Adenauer, die Ausmalung der Vaaker Kirchen dem rheinischen Kunstkreis zuzuordnen und ihre Entstehung auf die Zeit um 1400/1410 zu datieren. Wichtigstes Indiz für diese Einordnung ist die Tatsache, dass der Vaaker Künstler die 1395 entstandenen Malereien in der Karmeliterkirche von Mainz gekannt haben muss, wie Dr. Adenauer eindeutig nachweisen konnte:

Die motivischen Übereinstimmungen sind so evident, dass sie bei der sonst provinziellen Haltung des Vaaker Malers eben nur aus der Kenntnis des Mainzer Wandgemäldes zu erkennen sind. Hierdurch erhalten wir jedoch einen Anhaltspunkt für die Datierung der Ausmalung der Kirche zu Vaake, die trotz ihres altertümlichen Charakters eben nicht vor dem Jahre 1395 entstanden sein kann, vielmehr im Zusammenhang der verschiedensten Einzelmotive erst nach der Jahrhundertwende, aber wohl noch im ersten Jahrzehnt des 15. Jh. anzusetzen ist.

Gleichzeitig gibt dieser Vergleich mit den Mainzer Gemälden aber auch einen Hinweis auf die Herkunft unseres Meisters, dessen Heimat, trotz gelegentlicher Bindungen zur rheinischen d.h. kölnischen Kunst (Paulus, Auferstehung) am Mittelrhein zu suchen ist. Dem mittelrheinischen Kunstkreis entsprechen seine Gestalten mit den ein wenig runden, oft breiten Gesichtern mit dem schlicht gescheitelten Haar. Mittelrheinisch ist schließlich auch seine Ornamentik, die flott gezeichneten Ranken, die die einzelnen Teile der Ausmalung zu einem geschlossenen Raumbild vereinen.

Im Rahmen der grundlegenden Kirchensanierung von 1967/68 erfolgte abermals die Sicherung und Reinigung der Gemälde nach neuesten fachtechnischen Erkenntnissen, wofür Restaurator Helmut Reichwald zuständig war. Die 1937 durch Schliephacke vorgenommenen Ergänzungen von Fehlstellen und Übermalungen wurden in diesem Zusammenhang wieder entfernt, um die Malereien in unverfälschtem Zustand zeigen zu können.

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Beschreibung zum Motiv

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